Linux User Group Xanten

Mail, Viren, Spam

Mail, Viren, Spam
Mail

Charly Kuehnast
LUG Xanten
05. April 2003

Historie

Erfindung/Jahr: Telegraph, 1844
Erfinder: Samuel B. Morse
erste Nachricht: “What has God wrought!”


Erfindung/Jahr: Telefon, 1876
Erfinder: Graham Bell
erste Nachricht: “Watson, come over here!”


Erfindung/Jahr: Langwellenfunkgerät, 1909
Erfinder: Guglielmo Marconi
erste Nachricht: “May it promote peace.”


Erfindung/Jahr: e-Mail, 1971
Erfinder: Ray Tomlinson
erste Nachricht: “qwertyuiop”

E-Mail: Historie

Bis 1971 konnten sich nur Benutzer auf ein und dem gleichen Rechner Nachrichten schicken; Messaging zwichen Benutzern verschiedener Rechner gab es nicht.

R. Tomlinson wandelte eine Filetransfersoftware für das ARPAnet so ab, dass sie die Übermittlung von Nachrichten zwichen Benutzern verschiedener Rechner zuliess. Im ARPAnet gab es zu diesem Zeitpunkt 15 Rechner, alle vom Typ PDP-10.

Tomlinson legte fest, dass man Benutzer- und Hostname durch ein “@” trennen sollte.

Die von Tomlinson entwickelte Software war monolithisch, vereinigte also alle Arbeitsschritte (senden, empfangen, Ablage) in sich. Später wurden diese Schritte aufgespalten und von jeweils separaten Programmen übernommen. Die wichtigsten sind:

-Mail Transfer Agent
-Mail Delivery Agent
-Mail User Agent

Die erste Software, die mit diesem Konzept weite Verbreitung erfuhr, war Eric Allmanns “sendmail”, das noch heute auf rund 70% aller Mailserver läuft.

E-Mail: vereinfachtes Schema
Mail Schema
E-Mail: Protokolle

E-Mail: SMTP

SMTP

SMTP (Simple Mail Transfer Protocol) ist in RfC 822 spezifiziert. Es ist ein Klartextprotokoll und kommt mit wenigen, jeweils vier Zeichen langen Kommandos aus. Die wichtigsten sind:

HELO:     Identifikation der Sender-Domain
MAIL:     Absenderkennung
RCPT:     Empfängerkennung
DATA:     Text und ggf. Anhänge

Mit der Kenntnis dieser Kommandos kann man per telnet auf Port 25 eines Mailservers eine E-Mail auf den Weg bringen.

E-Mail: POP3

POP3

POP3 ist wie SMTP ein Klartextprotokoll und ebenso übersichtlich. Die wesentlichsten Kommandos sind:

USER:        Benutzerkennung
PASS:         Passwort
LIST:        Liste der Mails auf dem POP3-Server
RETR:        Mail abholen
DELE:        Mail löschen

POP3 ist sicherheitstechnisch fragwürdig, weil die Passwörter im Klartext übertragen werden.

Viren, Würmer, Trojaner

1999: Melissa Schüler
2000: Loveletter
2001: Code Red
2002: Nimda
...

E-Mail-Virus: Verbreitet sich über das Adressbuch des betroffenen Mailclients. Kann Schaden auf der lokalen Maschine anrichten oder durch massenhaften Versand zur DoS führen.

Wurm: befällt Systeme über bekannte Sicherheitslücken, nistet sich dort ein und repliziert sich. Kann dort beliebige Aktionen ausführen

Trojaner: gibt vor, eine erwünschte Software zu sein, arbeitet im Hintergrund aber destruktiv (wie Windows, wenn man mal drüber nachdenkt...). Repliziert sich nicht selbständig.

Gegenmaßnahmen

E-Mail-Viren: fängt man am besten durch SMTP-Proxys mit intergriertem Virenscanner ab. Es gibt freie (zB Mailstripper) und kommerzielle Lösungen (zB VirusWall).

Würmer: verhindert man zuverlässig, in dem man die eigenen Systeme immer aktuell hält. Unterstützend kann man IDS wie Tripwire oder Snort benutzen.

Trojaner: Hirn einschalten. Nicht alles ausführen, was andere Leuten einem schicken. Bei Downloads MD5-Summen checken. Nie als root arbeiten.

Spiced Pork and Ham
SPAM

Spam

Spam ist ein Produkt der britischen Fa. Hormel Foods Ltd. Es handelt sich um eine Mischung aus gewürztem Schweinefleisch und Schinken und ist verdächtig preiswert.
In einem Sketch von Monty Python wird das Wort “Spam” in zwei Minuten 124 Mal gesagt (und weitere 80 Mal gesungen).
“Spam” wurde zunächst im Usenet benutzt, um das massenhafte Crossposten des gleichen Artikels zu bezeichnen. Später wurde der Begriff auch auf E-Mails ausgedehnt.
Heute ist “Spam” das Synonym für unverlangt zugesandte Werbe-Mails.


Streng genommen unterscheidet man zwei Varianten von Spam:

UCE (unsolicited commercial email): unverlangt zugesandte Mail, die Werbung für Produkte oder Dienstleistungen enthält

UBE (unsolicited bulk email): wie UCE, aber es handelt sich nicht um Mail, die aus kommerziellem Interesse geschickt wurde, sondern aus einem anderen Grund. Für den Versand von UBE kann uU auch ein schlecht gepflegter, amoklaufender Mailserver verantwortlich sein.

Die meisten Gerichte folgen auch heute noch der Grundsatzentscheidung des LG Berlin von 1998. Danach ist Werbung per E-Mail grundsätzlich unzulässig, solange der Empfänger nicht ausdrücklich vorher eingewilligt hat (sog. “Opt-In”-Verfahren).
Das LG Traunstein präzisierte kurze Zeit später, dass es dabei auch nicht darauf ankommt, ob der Empfänger eine Firma, ein Selbständiger oder eine Privatperson ist.
In der Praxis sind diese Entscheidungen nur selten relevant, da Spam zum überwiegenden Teil aus dem Ausland kommt.


An allen Stationen des Mailtransports kann Spam abgewehrt werden: am MTA, am MDA und am MUA.

MTA: Einsatz von SMTP-Proxys mit Content-Filtern oder Benutzung von RBLs – funktioniert nur, wenn man der Postmaster ist oder diesen erfolgreich bestechen kann

MDA: Filtern von Spam auf der Basis regulärer Ausdrücke – User muss Zugriff auf die Konfiguration “seines” MDA haben und mit RegEx umgehen können

MUA: Für den Endbenutzer am einfachsten. Geringer Konfigurationsaufwand. Effektivität hängt vom MUA ab (Pattern matching vs. bayesische Filter)


letzte Änderung am 10.06.2003 von Michael Hoffmann

Diese Seite wurde zuletzt am Mo, den 9. Aug 2004 bearbeitet.

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